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Die schwedische Wirtschaft

 

In den 50er und 60er Jahren erlebte Schweden eine glanzvolle Epoche. Das Sozialprodukt erzielte Zuwachsraten wie nie zuvor. Der Außenhandel expandierte. In den 60er Jahren strömten 170.000 Menschen aus ganz Europa nach Schweden, um sich hier niederzulassen. Ohne diese Einwanderer und den Reichtum an natürlichen Ressourcen wären diese wirtschaftlichen Rekorde jener Zeit nicht möglich gewesen. Heute liegt das Bruttosozialprodukt pro Kopf im EU-Vergleich immer noch in der Spitzengruppe.  Der Gesamtenergiebedarf wird gedeckt durch:

Energiebedarf

Diese Grafik zeigt die Brutto-Lieferung von Energie für das Jahr 2007, in Energieträger unterteilt.

Quelle: Statistika centralbyrån (SCB) 2010

Wegen des begrenzten Binnenmarktes ist die Wirtschaft stark exportabhängig. Aus Tradition hat man eine Freihandelspolitik betrieben und setzt sich für die Stärkung der Welthandelsorganisation ein. Ausgeführt werden Maschinen, Papier, Pappe, Zellstoff, Holz, Kfz, Eisen und Stahl. Die wichtigsten Exportländer sind Deutschland, Norwegen und Finnlandliegen in der EU.

Der Strom wird z. Zt. erzeugt durch:

  • 50% Wasserkraft

  • 42% Kernkraft

  • 3%  Fossile Brennstoffe

  • 5%  Windkraft

Mit Schwedens Wasserkraft wird etwa die Hälfte des Strombedarfs gedeckt. Übertroffen wird diese Wasserkraftquote nur noch von Österreich mit rund 70% und Norwegen mit über 90%. In Deutschland werden rund 5 Prozent des Stroms aus Wasserkraft erzeugt. Die relativ preiswerte und erneuerbare Energiequelle 'Wasserkraft’ richtet selbst keine Umweltschäden an. Die zu ihrer Erzeugung errichteten Staudämme werfen allerdings für die Umwelt eine Reihe schwerwiegender Probleme auf. Große Stauseen entstehen durch die Überflutung ganzer Landstriche, wobei oft wertvolle Wälder, natürliche Lebensräume und Feuchtgebiete zerstört und nicht selten ganze ökologische Gemeinschaften vernichtet werden. Es liegen etliche Statistiken über Wasserkraft und Staudämme vor, von Befürwortern und Gegnern, wobei die Befürworter in der Regel mit detaillierten Angaben über die Eigenschaften und Konstruktionsmerkmale der Dämme aufwarten, während die Gegner Umweltschäden und soziale Kosten betonen. Seit den 80er Jahren gilt Schweden Wasserkraft als 'fertig ausgebaut'. 1998 beschloss die schwedische Regierung bestimmte Flüsse vor jeder Form von Regulierung per Gesetz zu schützen.

Die Energieerzeugung aus Biomasse wird in den letzten Jahren stark vorangetrieben und von der EU subventioniert.

1980 ist bei einer Volksabstimmung der Atomausstieg beschlossen worden. Der erste Reaktor in Skåne, Barsebäck Block 1 wurde am 30. November 1999 stillgelegt, Barsebäck Block 2 am 1. Juni 2005. Die restlichen zehn Reaktoren Schwedens sollten ursprünglich bis 2010 folgen. Im Februar 2010 nahm die schwedische Regierung das Gesetz zum Ausstieg aus der Atomkraft wieder zurück.

Bis 2020 wollen die Schweden alle fossile Brennstoffe durch erneuerbare Energien ersetzen. Die Realisierung dieser ehrgeizigen Ziele werden dadurch erleichtert, dass der größte schwedische Energiekonzern Vattenfall im Besitz des Staates ist und die Regierung die Investitionspolitik des Stromversorgers steuern kann. Brennholz ist eine Energiequelle, deren Verfügbarkeit eine gewisse Unabhängigkeit schafft. Etwa 80% des Brennholzes wird auf dem Lande für Haushaltszwecke verbraucht, der Rest für Heimgewerbe und Kleinbetriebe.

Mit einem Holzeinschlag von jährlich 60 Millionen Kubikmetern ist Schweden nach Russland das zweitwichtigste Fördererland in Europa. Die Eisenerzvorkommen gehören zu den hochwertigsten der Welt. Den Rohstoffen entsprechend sind Holz und Metall verarbeitende Industrien stark verbreitet. Maschinen, Apparate, und Transportmittel sind Schwedens wichtigste Exportprodukte. Führende Industriezweige sind die Stahl- und die Papierindustrie, gefolgt von Nahrungsmittel-, chemischer, Textil- und Automobilindustrie sowie Schiff- und Maschinenbau. Der Schiffbau war Anfang der siebziger Jahre an vierter Stelle im weltweiten Vergleich, ist Anfang der neunziger Jahre aber nahezu bedeutungslos geworden. Mehr als 400.000 Fahrzeuge werden jährlich in den Werken von Volvo und Saab gefertigt. Größter Arbeitgeber ist der Dienstleitungsbereich - hier sind 70 Prozent der Erwerbsfähigen beschäftigt.

Arbeitslosigkeit in Schweden

Quelle: SCB 2014

Die Gesamtbeschäftigung blieb in der Zeit von 1994 bis 1997 nahezu unverändert. 1998 ist die Zahl der Beschäftigten jedoch spürbar gestiegen. Die Arbeitslosenquote ist niedriger als in der Eurozone. Dadurch, dass rund 60% der Frauen eine Ganztagsbeschäftigung haben, sank die durchschnittliche Wochenarbeitszeit auf weniger als 37 Stunden pro Woche.

Beschäftigung in % der Gesamtbeschäftigung

 

1970

1980

1990

1998

Land- u. Forstwirtschaft, Fischerei

7,6

5,2

3,5

3,0

Bergbau und Industrie

28,6

24,8

21,0

20,6

Strom-, Gas- u. Wasserversorgung

0,9

1,0

0,9

0,9

Hoch- und Tiefbau

9,9

8,1

7,7

5,9

Private Dienstleistungen

34,5

34,1

39,0

42,7

Öffentlicher Dienst

18,5

26,8

27,9

26,9

Während Schweden in den Nachkriegsjahrzehnten aufgrund seiner durch den Krieg unbeeinträchtigten Produktionsstruktur jährliche Durchschnittsraten des Wirtschaftswachstums von 4,5 % erzielte, sank die durchschnittliche Wachstumsrate zwischen 1970 und 1996 auf 1,6 %. Schweden gelang es von 1945 bis ca. 1970 vorzüglich, die Wirtschaftsentwicklung und den allmählichen Ausbau des Wohlfahrtssektors im Gleichgewicht zu halten, doch führten die verschärfte Gewerkschaftspolitik ab Mitte der siebziger Jahre und die Ölpreisschocks zu einer maßvolleren Lohnpolitik.
Das schwedische Wirtschaftswachstum liegt über dem EU-Durchschnitt, wobei die Zinsen und die Inflation niedrig sind. Das Wachstum ist aber allein im privaten Sektor entstanden. Die schwache Finanzlage der öffentlichen Hand hat zu drastischen Kürzungen bei den staatlichen Ausgaben geführt. Eine soziale Politik und das klare Bekenntnis zum Wohlfahrtsstaat sowie die Absicherung aller Bevölkerungsschichten kennzeichnen das schwedische Erfolgsmodell.

Wirtschaftswachstum in Schweden

Durch das unökologische Steuersystem bei Kraftfahrtzeugen (man zahlt für neue und moderne Autos mehr Steuern als für alte Fahrzeuge) besitzen ca. 57% der Schweden ein Auto, dass älter als 10 Jahre ist. Bedingt durch dieses Steuersystem wurden in den letzten Jahren viele ältere Dieselfahrzeuge, die den Besitzern in Deutschland zu teuer wurden, nach Schweden exportiert. Um nicht noch mehr Umwelt verschmutzende Autos in Schweden zu bekommen, überlegt man z. Zt., ob die schwedische Kfz-Steuer dem deutschen System angepasst werden sollte.

Quelle: Nord Pool ASA

Wirtschaftdaten im Vergleich (Stand: Oktober 2008)

  Schweden
BSP (Mill. €) 366.737
BSP (€) je Einwohner 40.673
BIP (Mill. €) 374.671
BIP (€) je Einwohner 41.553
Kaufkraft eines US$ 0,76
Wirtschaftswachstum (%) 2,50

Anteil der Landwirtschaftsproduktion am BIP (Mill. €)

5.245
Anteil der Industrieproduktion am BIP (Mill. €) 107.155
Anteil der Dienstleistungen am BIP (Mill. €) 262.269
Landwirtschaftsproduktion (€) je Einwohner 581
Industrieproduktion (€) je Einwohner 11.884
Dienstleistungen (€) je Einwohner 29.087
Anteil der Landwirtschaft am BIP (%) 1,40
Anteil der Industrie am BIP (%) 28,60
Anteil der Dienstleistungen am BIP (%) 70,00
Inflationsrate (%) 0,40
Arbeitskräfte 4.540.000
Arbeitslose 246.940
Arbeitslosigkeit (%) 5,00
Staatshaushalt - Einnahmen (Mill. €) 219.380
Staatshaushalt - Ausgaben (Mill. €) 212.890
Staatsausgaben in % des BIP 64,25
Staatsverschuldung (Mill. €) 133.581
Staatsverschuldung % des BIP 56,82
Staatsverschuldung (€) je Einwohner 20.444
Export (Mill. €) 132.500
Import (Mill. €) 107.800
Export (€) je Einwohner 14.695
Gold und Währungsreserven (Mill. €) 23.740
Elektrizitätsverbrauch (Mio. KWh) 135.700
Elektrizitätsverbrauch (KWh) je Einwohner 15.050
Gasverbrauch (Mio. cbm) 1.100
Erdölverbrauch (Barrel pro Tag) 354.900
Erdölverbrauch (Barrel pro Jahr)je Einwohner 14,37
Ackerland (km2) 24.286
Ackerland (%) 5,91
Ackerland je Einwohner (ha) 0,30
Holzgewinnung (cbm) 72.640.000
Holzgewinnung (cbm) je 1000 Einwohner 8.056
Fischfang (t) 351.000
Fischfang (kg) je Einwohner 33,05

 

Handelsbeziehungen:

Bei den Handelsbeziehungen (Handel, Dienstleistungen und Kapital) ist Deutschland für Schweden die Nummer 1, gefolgt von Großbritannien und Dänemark.

Waren- und Diensleistungsexporte (Milliarden Kronen)
Warenexporte aus Deutschland nach Schweden (2012) 191
Dienstleistungsexporte von Deutschland nach Schweden (2012) 34
Warenexporte aus Schweden nach Deutschland (2012) 115
Dienstleistungsexporte von Schweden nach Deutschland (2012) 37
Kapitalverkehr (Milliarden Kronen)
Deutsche Portfolioinvestitionen in Schweden (2012) 359
Schwedische Portfolioinvestitionen in Deutschland (2012) 253
Anzahl der Mitarbeiter in deutschen Unternehmen in Schweden (2012) 71.758 St.
Anzahl der Mitarbeiter in der schwedischen Unternehmen in Deutschland (2011) 98.373 St.

Quelle: SCB, IMF und Tillväxtanalys  

In Schweden fließen vier Prozent des Brutto-Inlandsprodukts in Forschung und Entwicklung. Das Land der Erfinder, das nur 0,14 Prozent der Weltbevölkerung stellt, rangiert damit nach eigenen Angaben unter den ersten drei Nationen weltweit. In Deutschland sind es nur 2,5 Prozent.

Schweden war beim Start der Europäischen Währungsunion im Jahre 1999 nicht dabei. Man behält sich die Option eines späteren Eintritts vor. Die Befürwortung der Schweden zum Euro stieg zuerst an. Nach der letzten Wirtschaftkrise nimmt die Haltung der schwedischen Bevölkerung zum Euro enorm ab. Schweden betreibt weiterhin eine stabilitätsorientierte Wirtschaftspolitik außerhalb der Währungsunion.

 

 

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