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Eissegeln in Schweden

Auf dem Eis fühlen sich die Schweden mindestens so zu Hause wie auf dem Land. Das Eissegeln kam um 1870 in den schwedischen Städten in Mode. Junge Männer und Frauenaus der Oberschicht amüsierten sich am Sonntagnachmittag auf dem Eis. Nur sie hatten die Zeit für solcherlei Vergnügen. Damals gab es viele, die auf dem Eis segelten - es war ein Sport der oberen Klasse. Man erreichte im 19.Jahrhundert schon Geschwindigkeiten von 60 Stundenkilometern. Es gab damals nicht Vergleichbares - der Zug fuhr nicht so schnell und Autos waren kaum erfunden. Eissegeln war ein beliebter Geschwindigkeitssport und einer der wenigen abenteuerlichen Sportarten, die es um die Jahrhundertwende gab.

1901 organisierten sich die Eissegler zum ersten Mal in einem Verein. Der bekannte Stockholmer Segelklub SSSK ergründete eine Sparte fürs Eissegeln. Durch die Verbreitung in den Vereinen, verlor das Eissegeln seinen exklusiven Charakter und Freizeit war mittlerweile nicht mehr ausschließlich ein Privileg von Wenigen. Jeder hatte Schlittschuhe und ein Segel war auch nicht teuer. So hatte das Eissegeln in den 20er Jahren großen Zulauf und bekam als bald von den echten Seglern den Beinamen "Politariatssegeln".

Lange Jahre veränderte sich nicht viel. Erst ab 1940 begann man zu experimentieren. Die Schlittschuhe bekamen andere Materialien und Formen. Um schneller zu werden, tüftelte jeder Segler an seiner Ausrüstung, besonders an den Schlittschuhen. Von Jahr zu Jahr wurden die Schlittschuhe höher, denn ein größerer Segler kann mehr Segelfläche in den Wind halten. Jetzt sind maximal 20 Zentimeter Höhe erlaubt. Die Segler stehen immer auf der Wind abgewandten Seite - in Lee - und stemmen sich gegen den Wind. Windsurfen ist ähnlich, jedoch hat man beim Eissegeln noch mehr Kontakt mit dem Segel. Bis zu 100 Stundenkilometer erreichen Könner auf einem zugefroren See. Gesegelt wird, indem man das Segel wie ein Kreuz auf der Schulter trägt - und hofft, am Ende des Sees die Kurve zu kriegen.

Bevor die Segler mit ihren Kufenflitzern raus können, fährt der Eisscout auf dem See eine große Fläche ab und prüft die Stärke des Eises. Er sucht nach Rissen und kontrolliert die Oberfläche. Es gibt viele Gefahren. Brüchiges Eis z.B.  - das so genannte Glaseis. Eissegeln ist etwas ganz besonderes, da sich das Eis von Tag zu Tag und von Jahr zu Jahr sehr stark verändert.  Der Vorsitzende des schwedischen Eissegelverbandes sammelt täglich die Ergebnisse der Eisscouts und teilt mit, welcher See als Austragungsort in Frage kommt. Eissegler müssen sehr flexibel sein, denn Wetter und Eis bestimmen den Rennplan. Beim Eissegeln weiß man nie, was man richtig vor sich hat. Es kann z. B. ein Riss am vorigen Tag entstanden sein, oder ein Loch. Man muss über die unterschiedlichen Stellen fahren und es knallt und kracht. Wer das nicht gewohnt ist, erschrickt sehr. Im März werden die Tage wieder länger und das Eis arbeitet und rumort.

Der überwiegende Teil der Segler kommt aus Mittelschweden - dem Dreieck Stockholm, Uppsala und Linköping - dort wo das Eis auf den Seen für das Eissegeln am besten ist, mit wenig Schnee und kalten Nächten. Die Herausforderung im Rennen ist das eine, doch das Naturerlebnis, die Auseinandersetzung mit den Elementen ist für viele Eissegler wichtiger. Man kann nie von dem einen Tag auf den anderen wissen, ob man segeln kann. Es ist also ein ständiges Suchen. Genau wie das Segeln, ist das Leben. Man sucht das Perfekte, das schönste Eis und die schönsten Erlebnisse.

Heute gibt es in Schweden Hunderte von aktiven Seglern, die jedes Jahr an der Schwedischen Meisterschaft, sowie der EM und WM teilnehmen. Die WM findet jedes zweite Jahr in Europa und jedes zweite Jahr in den USA oder Kanada statt. Offizielle Information gibt es beim internationalen Verbund IDNIYRA. Es gibt 3 DN-Klassen mit 7, 12 und 15 qm Segel.

Baupläne für Eissegler gibt es hier: www.eissegeln.de

 

 

 

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