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Vimmerby

Vimmerby war früher ein bedeutendes Handelszentrum. Auch noch in unseren Tagen führen alle wesentlichen Wege der kleineren und größeren Ortschaften und Siedlungen der Umgebung nach Vimmerby. Zu den kleinen Geschäften längs der Storgatan, die ihren altertümlichen Charme behalten haben, sind in der Neuzeit auch große und moderne Warenhäuser und Einkaufszentren ergänzend hinzugekommen. Vimmerby hat seine althergebrachte Position als Handelszentrum nicht nur beibehalten, sondern noch verstärken können, dieses nicht zuletzt auch dank eines reichen und lebendigen Umlandes.

Es ist gar nicht so lange her, dass Vimmerby als der Knotenpunkt für den Ochsenhandel des Landes bekannt war, und damit auch für das Gerberei-Gewerbe, das seinen natürlichen Standort in einer Viehzucht betreibenden Gegend wie dieser hatte. Zu Anfang des 19. Jahrhunderts gab es in Vimmerby sechs gewöhnliche Gerbereien und drei Sämischledergerbereien. Außerdem gab es drei Handschuhmacher, die ebenfalls ihr Leder selber gerbten. Heute ist nur noch eine der Gerbereien in ihrem ehemaligen Zustand erhalten geblieben, nämlich die Östermanska, die am Västra Tullen (der ehemals westlichen Zollstation) lag, dort, wo sich heute eine große Tankstelle befindet. Im Jahre 1937 wurde die Gerberei in das Freiluftmuseum Skansen nach Stockholm übergeführt. Die letzte Gerberei, die schließlich ebenfalls dem Industriesterben des traditionellen Gerbereigewerbes vor einigen Jahren erlag, war Vimmerbys Lederfabrik. Mit ihr ging eine lange und stolze Gewerbetradition für Vimmerby verloren.

Auch das Handwerk in Vimmerby kann auf eine lange und entwicklungsreiche Tradition zurückblicken. Im Jahre 1709 hatte die Stadt 17 Händler und nicht weniger als 49 Handwerker. Unter ihnen fanden sich: Färber, Goldschmiede, Kupferschläger, Zinngießer, Schuhmacher, Gerber, Tischler, Drechsler, Glasbläser und Schneider. Es waren jedoch nur die Schneider, die eine eigene Zunft hatten. Erst im 19. Jahrhundert kamen auch andere Zünfte dazu, als die Händler und Handwerker aus ihrer Mitte jährlich die zwölf Ältesten der Stadt wählten. Diese alte Tradition ist in unseren Tagen vom Bürgerstand der Stadt wieder ins Leben gerufen worden, der auch ansonsten bemüht ist, die ehemaligen Gebräuche und Traditionen des früheren Bürgerstandes pietätvoll zu bewahren und zu pflegen.

Im Vimmerby von heute gibt es sowohl das Handwerk als auch Industrie der verschiedensten Art, wie z.B. Eisen- und Holzindustrie, Furnierherstellung samt Fensterfabrik usw. Hier findet man auch eine moderne Meierei-Anlage und den größten Wäschereibetrieb des nördlichen Regierungsbezirkes Kalmar. Mittlerweile sind die Produkte der Frödinge-Meierei weit über die Grenzen des Kreises bekannt. Ihre Spezialität ist der "småländska ostkakor", eine besondere Art von Quarkauflauf.

Innerhalb des Kreises Vimmerby liegt in Storebro Nordeuropas größer Werftbetrieb für Freizeitboote. Die hier gebauten Freizeitboote gehören zur absoluten Luxusklasse und werden in alle Welt exportiert. Das mag merkwürdig erscheinen, da die Werft mitten im Lande liegt, ohne jeden unmittelbaren Zugang zu offenen Gewässern. Folglich werden die Boote zur Erprobung in ein eigens dafür gebautes Bassin auf dem Fabrikgelände zu Wasser gelassen und darin überprüft.

Vimmerby wurde früher manchmal scherzhaft als "die Stadt zwischen den Brauereien" bezeichnet. Im Osten der Stadt liegt noch heute die Åbro-Brauerei und im Westen lag früher die Zentralbrauerei. Letztere existiert nicht mehr. Die Åbro-Brauerei, die 1856 gegründet wurde, hat ihren Namen von der kleinen Brücke, die über den Bach führt, der sich in unmittelbarer Nähe der Brauerei vorbeischlängelt (Å = Bach, bro = Brücke). Auch die Brauerei Åbro kann auf eine lange Familientradition zurückblicken, und nicht ohne Stolz zeigt man gerne die vielen internationalen Auszeichnungen, die ihre Produkte in harter Konkurrenz errungen haben. Es ist ein offenes Geheimnis, dass das Quellwasser der Brauerei dabei eine große Rolle spielt, denn die Brauerei liegt an einem Ausläufer eines Bergrückens, der mit seinem feinen Sand ein erstklassig weiches Quellwasser entstehen lässt. Auch die Åbro-Brauerei kann, noch vorheriger Absprache, besichtigt werden.

Der Schriftsteller und Karikaturist Albert Engström, der übrigens in seiner Jugend Hauslehrer in Herrestorp bei Pelarne war, zeichnete einst ein berühmt gewordenes Plakat für das Vimmerbybier und trug dazu bei, das Bier auch weithin im ganzen Lande bekannt zu machen. Dieses wiederum ermöglichte den Brauern, 5 Öre extra pro Flasche zu verlangen. Und fünf Öre waren viel Geld zu jener Zeit, als Albert Engström durch die Straßen Vimmerbys flanierte und sich zu besagter Zeichnung inspirieren ließ. Das Werk wurde dann später in der Zeitschrift "Strix" im Jahre 1899 unter dem Titel "Ein Sonntag in Vimmerby" publiziert. Auf dem Bild sieht man drei junge, halbwüchsige Burschen, und im Text sagt der Wortführer der Gruppe zu seinen beiden Kumpanen in unverfälschtem Småland-Dialekt: "Kommt ihr mit in die Stadt, um uns zu prügeln? Die Polizei ist unterwegs und fängt Flusskrebse."

Aus der Geschichte

Die Altstadt von Vimmerby lernt man am besten bei einem Spaziergang durch die Storgatan kennen. In dieser Straße schlägt nicht nur Vimmerbys historisches Herz, sondern durch sie pulsiert auch das Leben der heutigen Stadt. Eine belebte Straße mit Menschen und für Menschen, damals wie heute. Pietätvoll restaurierte Wohnhäuser in roter, blauer, grüner und gelber Farbe geben dieser Straße eine besondere Prägung. Alte Geschäftslokale mit schrägen, stolz gealterten Fußböden und asymmetrischen Wänden, die an eine niedrige Decke stoßen, beherbergen das Sortiment moderner Geschäfte von unterschiedlichster Art. Gerade deswegen hat die Storgatan ihre Eigenart bewahren können, ohne in ein lebloses Museumsdorf verwandelt zu werden. Im Gegenteil, man hat sich in den letzten Jahren sowohl durch private Initiative als auch mit der aktiven Unterstützung der Stadtverwaltung erfolgreich bemüht, diesen lebendigen Charakter zu bewahren und weiter zu fördern. Die Storgatan, die übrigens ihren mittelalterlichen Verlauf unverändert beibehalten hat, stellt ein gutes Beispiel dar, wie erhaltende Restaurationsarbeit und Erneuerung nebeneinander und miteinander sich harmonisch ergänzen können.

Vimmerbys Vorgeschichte geht bis in die Steinzeit zurück. Funde, die aus der Steinzeit sowie aus der Bronzezeit stammen, zeugen davon, dass diese Gegend schon damals besiedelt war. Aus der Eisenzeit stammt das große Gräberfeld im Gästgivarehagen, ganz in der Nähe der Ausfahrt zur Reichstraße Nr. 33 gelegen. Nicht zuletzt zeigen die Funde aus vorchristlicher Zeit, dass dort, wo heute die Stadt Vimmerby liegt, schon damals eine größere Siedlung gelegen haben Muss. Auch wenn das genaue Alter der Stadt nicht bekannt ist, so zählt Vimmerby doch zu den ältesten Städten in Schweden. Im Jahre 1192 wurde die Stadt zum dritten Male von den Dänen niedergebrannt. in der Mitte des 13. Jahrhunderts, als das Schwedische Reich (Svea Rike = Sverige) von Birger Jarl regiert wurde, zelebrierte der Priester Henricus Erici bereits die heilige Messe in der Kirche zu Vimmerby. Im frühen Mittelalter, um 1350, war Vimmerby eine blühende Stadt; doch in den darauffolgenden Zeiten ist dieses Bild oft getrübt worden. in den folgenden Jahrhunderten wurde die Stadt, zum Schrecken ihrer Einwohner, immer wieder von den Dänen geplündert und niedergebrannt. Da die Stadt an einem strategisch wichtigen Punkt lag, nämlich auf einer Anhöhe im Stångåtal, und sich dort gleichzeitig einige der wichtigsten Handelswege des Reiches kreuzten, mußten die Einwohner diese Lage mit viel Unbill und Leid bezahlen. Im Rasthof bei Skillingarum (Skillingarums Gästgivaregård), südlich von Vimmerby gelegen, haben Könige und Feldherren, Priester und Mönche Station gemacht. Auf diesen Wegen sind einst auch der aufrührerische Bauernführer Nils Dacke und seine Männer gezogen.

Aber auch in Friedenszeiten blieb das Unheil nicht fern. Im Jahre 1683 zerstörte eine Feuersbrunst den Großteil der Stadt, wobei die Häuser, die um den Marktplatz standen, sowie die der Storgatan, dem Feuer zum Opfer fielen. Doch die Einwohner Vimmerbys waren ein zähes Geschlecht, und so begannen sie gleich nach dem Brand, ihre Stadt wieder neu aufzubauen. Zu dieser Zeit des hektischen Baueifers versuchten die renommierten Bürger der Stadt, sich gegenseitig zu übertreffen, was die Größe und Pracht ihrer neuen Häuser anbelangte. Ein eindrucksvolles Zeugnis aus dieser Zeit liefern uns die ältesten Teile des Grankvistgårdens und des Tenngjutaregårdens (Zinngießerhof) als auch einige andere Häuser längs der Storgatan. Sie stammen alle aus der Zeit um 1700 herum. Der letzte Großbrand, der Vimmerby heimsuchte, wütete im Jahre 1821. Dabei fiel ein Drittel der Stadt in Schutt und Asche. Sämtliche Häuser um den Marktplatz herum und die in dessen Umgebung wurden damals zerstört. Darunter auch das nach dem Großbrand von 1683 wiederaufgebaute, alte Rathaus. Glücklicherweise blieben die Häuser längs der Storgatan diesmal vom Unglück verschont, und das nicht zuletzt zur Freude der nachfolgenden Generationen, sowohl der Stadtbewohner als auch ihrer Besucher aus aller Welt.

Gebäude

Das Rathaus in Vimmerby wurde in den Jahren 1824-25, kurz nach der großen Feuersbrunst, vermutlich als erstes Haus wiedererrichtet. Seiner Architektur nach gehört es zum streng neoklassizistischen Baustil, zeitlos in seiner Schlichtheit. Es ist eines der fünf Baudenkmäler der Stadt. Im schönen Sitzungssaal sind viele wichtige Beschlüsse gefaßt worden, mancher Meilenstein im Verlauf der Stadtgeschichte wurde dort von Amtleuten und Politikern gesetzt. Im 19. Jahrhundert kam es sogar vor, dass man diesen so ehrwürdigen Raum, in welchem sonst ausschließlich gestrenger Ernst regierte, den fröhlichen Musen überließ. Als Ballsaal durfte er den Bürgern für die in jener Zeit typischen Gesellschaftsvergnügen dienen. Nachdem im Jahre 1976 ein neues Rathaus erbaut worden war, hatte das alte Gebäude seine Rolle als Herzstück der Stadt ausgespielt. Statt für die kommunale Verwaltung wird es jetzt zeitweise vom Amtsgericht der Stadt Västervik genutzt, wenn dieses in Vimmerby zu seinen "Ting" Sitzungen zusammentritt. In einem andern Teil des Hauses hat man ein Schulmuseum eingerichtet; und in den Sommermonaten stellen ortsansässige Künstler ihre Werke im Obergeschoß des Hauses aus.

Vimmerby lag lange in einem Dornröschenschlaf, bevor es 1962 aus dem Schlummer geweckt wurde. Damals entdeckte man bei Renovierungsarbeiten einzigartige Wandbemalungen im Grankvistgården in der Storgatan. Das schwedische Amt für Denkmalschutz (Riksantikvarieämbetet) wandte dieser Entdeckung seine Aufmerksamkeit zu und begann sich für die Stadt oberhalb der Stångån für Vimmerby, zu interessieren. Der Grankvistgården wurde 1963 zum Baudenkmal erklärt. Man schätzt, dass er noch vor dem Jahre 1700 errichtet wurde. Die im Zeitgeschmack des Barocks ausgeführten Gemälde eines unbekannten Künstlers sind außerordentlich gut erhalten ist. Glücklicherweise sind weder der Grankvistgården noch die anderen Baudenkmäler der Storgatan zu musealen Einrichtungen gemacht worden, sondern sind vollauf bewohnte und genutzte Häuser der Kultur und des Handels. Ferner ist dort ein Küchenofen, der um 1600 gemauert wurde, sowie die schon erwähnte Wandbemalung zu bewundern.

Das inspirierende Milieu des Grankvistgården mag die Neugierde des Besuchers wecken, mehr über die Altstadtbauten zu erfahren. Nun, man brauchte keine künstliche "Altstadt von Vimmerby", etwa durch Versetzen von alten Häusern, zu schaffen. Die Häuser stehen dort an der Storgatan, wo sie schon immer gestanden haben - und viele von ihnen sind einmalig im ganzen Lande.

Nur ein kleines Stückchen vom Grankvistgården entfernt liegt der aus derselben Zeit stammende Tenngjutaregården (Zinngießerhof). Er wurde im Jahre 1964 aus dem mehr als 200-jährigen Schlaf geweckt. Beide Häuser verdanken dem Goldschmied Beyron Milton ihr Erwachen, der die Rolle des Prinzen spielte, als er diese Kunstschätze entdeckte. Beyron Milton und seine Ehefrau Thyra wurden die leidenschaftlichsten Verfechter der Erhaltung und Bewahrung des kulturhistorischen Baugutes der Stadt Vimmerby. In seiner Eigenschaft als örtlicher Repräsentant des schwedischen Reichsamtes für den Denkmalschutz (riksantikvariens ombud) war es immer wieder Beyron Milton, der als erster neue Funde inspizierte und auch dokumentierte. Seine gründlichen Kenntnisse in der Stillehre waren von unschätzbarem Wert für die Erhaltung wertvoller Bau- und Kulturgüter für die Nachwelt. Der Zinngießerhof hat seinen Namen nach den Zinngießern Gudmund Östling und Zadek Bergenholtz bekommen. Er hat eine lange Geschichte und erlebte im 18. Jahrhundert seine Glanzperiode. Im Gegensatz zum Grankvisthof sind hier der Name des Künstlers und das Alter der dekorativen Ausmalung bekannt. Der Zinngießer Östling gab damals den Auftrag, dem Hause ein standesgemäßes Aussehen zu verleihen. Die Wände und die Decken wurden so geschmückt; über der Tür zur Küche, in der übrigens noch das ursprüngliche "Guckloch" sitzt, steht neben einem Bibelzitat noch folgendes: "Gemalt von Joh Lundgren Olofson am 27. Oktober 1767 ("Målat av Joh Lundgren Olofson den 27 oktober 1767").

Der Zinngießerhof, der noch zu Beginn der 60-iger Jahre hoffnungslos verfallen aussah, hat heute sein ursprüngliches Gepräge als bürgerliches Standeshaus des 18. Jahrhundert wiederbekommen. Außer der Wand- und Deckenbemalung erzählen noch weitere Einrichtungsgegenstände und Schmuckstücke von der ehemaligen Glanzzeit des Hauses. Unter anderem sind an der Tür des Haupteingangs zur Storgatan noch die alten Beschläge zu bewundern, und im Eßzimmer, der ehemaligen Zinngießerwerkstatt, hat der eiserne Schmelztiegel, datiert von 1825, seinen Ehrenplatz gefunden.

Der Borgmästaregården (Bürgermeisterhof), an der Storgatan Nr. 3 gelegen, ist das vierte Baudenkmal der Stadt. Er wurde nach Otto Gustaf Wahlberg benannt, der in den Jahren 1870 bis 1907 Bürgermeister der Stadt war. Auch dieses Gebäude stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den anderen bauhistorischen Denkmälern ist der Borgmästaregården noch relativ unerforscht geblieben. Das Gebäude ist bei seinem gegenwärtigen Besitzer jedoch in guten Händen dank seines Interesses, nicht zuletzt an alten Dingen. Über dessen Antiquitätengeschäft ist es teilweise der Allgemeinheit zugänglich. Einige alte Möbelstücke aus dem Haushalt des Bürgermeisters sind in ihrer ursprünglichen Umgebung erhalten geblieben, so z.B. eine prachtvolle, vollständige Eßzimmergarnitur aus Eichenholz, eine Tafel und ein origineller Rasierspiegel auf drei Beinen mit einem Kerzenhalter samt Kerze, die einst dem Bürgermeister "die Erleuchtung brachten".

Der Rådmansgården (Ratsherrnhof), an der Storgatan Nr. 28 gelegen, wurde erst im Januar 1975 zum Baudenkmal erklärt. Das Erdgeschoß stammt vermutlich aus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Das Haus ist in alten Stadtplänen von 1648 als einstöckiger Bau ausgewiesen und wurde erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts mit einem oberen Stockwerk versehen. Seinen Namen erhielt das Haus nach dem Ratsherrn Johan Wimarkrantz, der es 1772 kaufte und restaurierte. Aus dieser Zeit stammen auch die Malerarbeiten, die das Haus bekanntgemacht haben. Bei neuerlichen Instandsetzungen entdeckte man unter 8 bis 10 Lagen Tapeten im großen Raum des Erdgeschosses etwas, das sich als imitierte chinesische Reistapete herausstellen sollte: auf dickem Pappgewebe gemalt und direkt auf die Holzbalken geklebt. 80% der Ausmalung in dem etwa 40 m² großen Raum sind sehr gut erhalten. Auch unter der Decke hat man Malereien gefunden. Doch hätte deren Freilegung den heutigen Besitzer viell Geld gekostet, so dass man beschloß, einen Teil zu späterer Konservierung zu belassen.

Wenn man auf der Storgatan weiterspaziert, kann man einen Blick auf den ebenfalls unerforschten Hammarskjöldska gården (Hammerschildhof), auch das "blaue Haus" genannt, werfen. Das Haus, das gegenüber dem Rådmansgården liegt, wurde wahrscheinlich im 18. Jahrhundert errichtet und anschließend in der Glanzzeit der Stadt umgebaut. Auf derselben Straßenseite liegt die Nr.17, ein grüngestrichenes, zweistöckiges Wohnhaus, in welchem man gleichartige Deckenmalereien gefunden hat, wie es sie im Grankviståården gibt. Im Hause Nr. 20 der Storgatan hat man ebenfalls alte Malereien aus dem 18. Jahrhundert gefunden und diese in einem etwa 8 m² großen Raum konserviert. Es ist also eher die Regel als die Ausnahme, dass es alte Malerbeiten in den erhaltengebliebenen Bürgerhäusern der Storgatan gibt. Dieses wiederum macht diese Straße so einmalig für das Land, denn keine andere Stadt in Schweden kann dergleichen aufweisen. Als eine Besonderheit ist zu erwähnen, dass der weit über die Stadtgrenzen berühmte Arzt und Schriftsteller Axel Munthe in seiner Kindheit in der Storgatan wohnte und die Schule in Vimmerby besuchte. Sein Vater war Apotheker, und in der Mitte des 19. Jahrhunderts lag die Apotheke dort, wo später die Heilsarmee (Frälsningsarmén) ihre gottesdienstliche Stätte hatte. Im selben Hause hatte die Familie Munthe ihre Wohnung.

Alle hier beschriebenen Häuser längs der Storgatan befinden sich ausschließlich in Privatbesitz und sind demnach in der Regel nicht für die Allgemeinheit zugänglich. Ausgenommen, wie erwähnt: Teile des Borgmästaregårdens (Antiquitätenhandel).

Die Kirche

Als die Kirche zu Vimmerby im Jahre 1859 eingeweiht wurde, fehlten zwei wichtige Dinge: Nämlich eine Turmuhr und eine Heizung. Erst 17 Jahre später kam die Turmuhr auf ihren Platz: Sie ist ein Geschenk der staatlichen Alkoholhandelsgesellschaft zu Vimmerby (Sprithandelsbolag), die dem Kirchrat dazu 1.500:- Kronen vermachte. Auf eine Heizung mußten die Kirchgänger jedoch bis 1877 warten, ehe zwei Öfen installiert wurden und die Gemeinde während des Gottesdienstes nicht mehr zu frieren brauchte.

Doch die Geschichte der Kirche zu Vimmerby reicht noch viel weiter zurück, als es das heutige Gebäude zu erzählen vermag. Vermutlich gab es bereits zu Ende des 12. oder zu Beginn des 13. Jahrhunderts eine einfache Holzkirche in Vimmerby. Dagegen weiß man mit Sicherheit, dass die Stadt um 1253 einen eigenen Pastor hatte. Aber - um eine lange Geschichte kurz zu machen - es feierten die Einwohner Vimmerbys ihre Gottesdienste bis zum Weihnachtsfest 1685 in der Holzkirche, um sich danach die Predigten des Propstes Johan Phoenix zum ersten Male in einer Steinkirche anzuhören, die man nach damaligem Brauch Karlskirche benannte (Karolinerkyrkan), denn damals regierte in Schweden Karl XI. Dennoch bereitete diese erste Steinkirche der Gemeinde viel Kummer, da immer wieder notwendige Reparaturen viel Geld verschlangen. Deswegen beschloß man im Jahre 1854, eine neue Kirche zu bauen.

Aus dem reichhaltigen, wertvollen Inventar der Kirche soll besonders das Triumphkreuz aus dem 14. Jahrhundert erwähnt werden, welches über dem Taufbecken hängt. Ferner ist zu erwähnen ein schönes, in Oberammergau geschnitztes Altarkruzifix, ein Geschenk des Gemeindepfarrers A.E. Nyberg. Von besonderem Interesse ist auch der alte Altaraufsatz, der bereits im Inventarverzeichnis von 1652-1700 erwähnt wird und heute an der südlichen Kirchenwand zu sehen ist. Das Altargemälde, welches die Verklärung Jesu darstellt, stammt von der Hand des Künstlers Sven Alfred Thörne und ist eine genaue Kopie des Altargemäldes der Jakobskirche in Stockholm. In Vimmerby erzählt man sich auch die Geschichte von der verschwundenen Königsgabe. König Karl XI schenkte der Kirche zu Vimmerby 1690 ein Gemälde, wie aus der noch vorliegenden "gnädigen Schenkungsurkunde" hervorgeht. Dieses Kunstwerk, das vorher in der Drei Kronen-Kapelle des Schlosses zu Stockholm hing, kam jedoch niemals in Vimmerby an. Der einzige Beweis ist jene Schenkungsurkunde des Königs, die heute im Reichsarchiv aufbewahrt wird. Niemand weiß bis heute, wie das Gemälde - möglicherweise sogar ein kompletter Altar aus der Schloßkirche - aussah noch wohin es damals verschwand.

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